Der Maremmano

Wesen und Verhalten

Der Maremmano ist ein sehr selbstständiger Hirtenhund. Aufgrund seiner großen Ruhe und Gelassenheit, wirkt er vielleicht etwas phlegmatisch. Er ist jedoch stets aufmerksam und kann blitzschnell reagierend eingreifen. Der Maremmano ist eher ein defensiver Hund. Er versucht jeden Angriff durch tiefes Bellen und durch Drohgebärden zu vermeiden. Hecktische und unüberlegte Aktionen sind ihm fremd. Hirtenhunde können sich dies auch nicht leisten, denn ein Hund der unüberlegt und impulsiv seine Herde verlässt, ist als Beschützer ungeeignet. Aufgrund seiner selbstständigen Art ist der Maremmano kein Hund, der sich blind unterordnet.
Er erfüllt die Anweisungen die er erhält, jedoch in seinem Tempo und auf seine Art.
Diese Selbständigkeit, die typisch für Hirtenhunde ist, muss bei der Haltung und dem Leben in einer Familie Rechnung getragen werden.

Der Maremmano geht außerhalb seines Territoriums sehr tolerant mit anderen Hunden um, wenn er im Welpenalter entsprechend sozialisiert wurde.

Er hat keinen ausgesprochenen Jagdtrieb. Er vertreibt jedoch auf seinem Territorium alles was da nicht hingehört. Was die Größe seines Territoriums angeht, endet dies fast nie an unserem Gartenzaun. Auch Gebiete auf den er regelmäßig ausgeführt wird, schließt er in seinen Territorialbereich ein.

Auszüge aus dem Rassestandard (FCI-Standard Nr. 201)

Im VDH wird der Cane da Pastore Maremmano Abruzzese als Maremmen-Abruzzen-Schäferhund mit der FCI-Einteilung Gruppe 1 Hüte- und Treibhunde, Abt. 1 Schäferhunde geführt.

Diese Einteilung ist leider irreführend, da der Maremmano ein Hirtenhund ist und kein Schäferhund. Er dient ausschließlich dem Beschützen der Schafe in der Herde. Für das Treiben und Hüten sind weiterhin Hüte- bzw. Schäferhunde notwendig.

Allgemeine Erscheinung:

Der Maremmano ist ein großformatiger Hund, kräftig gebaut, von rustikalem Aussehen, dennoch majestätisch und typvoll. Seine Gestalt ist bei mittleren Proportionen die eines schweren Hundes, dessen Rumpf länger ist als die Widerristhöhe. Er ist harmonisch gebaut.

Größe und Gewicht:

Widerristhöhe: Rüden: von 65 bis 73 cm
Hündinnen: von 60 bis 68 cm

Gewicht: Rüden: von 35 bis 45 kg
Hündinnen: von 30 bis 40 kg

Haltung und Erziehung

Der Maremmano passt sehr gut in eine Familie, wenn man sich im Vorfeld bewusst ist, das man sich einen selbständigen Hund ins Haus holt, der nicht mit Gehorsamsübungen, Ballspielchen usw. genervt werden will. Seine Aufgabe ist das Bewachen. Zusätzlich möchte er täglich ein paar Streicheleinheiten, Futter etwas Fellpflege und feste klare Regeln.

Wenn sie einen Hund für gemeinsame Aktivitäten, sportliche Betätigung oder fürs eigene Ego suchen und auf schnelle Befehlsausübung Wert legen, dann sollten Sie keinen Maremmano nehmen, auch wenn er Ihnen von der Optik noch so gut gefällt. Sie und der Hund werden beide nie glücklich miteinander werden.

Da im Zusammenleben von Mensch und Hund jedoch einige Spielregeln zu beachten sind, sollte der Hund diese auch vom ersten Tag an kennen lernen. Konsequenz ist oberstes Gebot. Bevor der Hund ins Haus kommt sollte klar von allen Familienmitgliedern geregelt werden, was der zukünftige Hausgenosse darf und was nicht.

Der Maremmano lernt im täglichen Miteinander sehr schnell, was uns angenehm ist und was wir als störend empfinden. Dafür ist es allerdings notwendig, dass wir dem Hund Zeit geben dies alleine herauszufinden. Gerade hier liegt bei vielen Maremmanobesitzern das Problem. Sie haben keine Geduld mit den Hunden. Gutgemeinte Ratschläge von Hundefachleuten oder der Welpen- und Hundeschule, zerstören die positiven Lerneigenschaften, die diese Hunde genetisch mitbringen. Diese Fähigkeit zum selbständigen Lernen wird unterdrückt und verkümmert. Der Hund wird Ihren Anforderungen niemals ganz gerecht werden. Er wird auf dem Hundeplatz mal ganz artig seine Übungen absolvieren und ein anderes Mal nicht im Traum daran denken, das zu tun was Sie von ihm fordern. Denn er ist nun mal kein Gebrauchshund, aber ein Großteil der Selbstständigkeit des Hirtenhundes fehlt ihm auch. Er ist ein sturer eigensinniger Hausgenosse geworden, der einem das Leben oft schwer macht.

Die Population dieser Hunde in Deutschland ist, verglichen mit anderen Hirtenhundrassen, sehr gering. Beim VDH sind 131 Maremmanen registriert (Stand 12/06). Dazu kommen sicher noch einige reinrassige Tiere, die aus dem Ausland stammen.
Ein weiterer und absolut nicht zu unterschätzenden Anteil sind die Mischlinge und Hunde mit unklarer Herkunft.
Wenn man in den Internetforen von Herdenschutzhunden oder auch speziellen Maremmano-Seiten ließt, muss man immer wieder feststellen, wie viele Besitzer arge Schwierigkeiten mit ihren Hunden haben. Einige Probleme sind sicherlich hausgemacht. Die Ursachen sind mannigfaltig: Inkonsequenz, zu starke Vermenschlichung, spontane unüberlegte Anschaffung bis hin zur Unkenntnis, was es bedeutet sich einen Hirtenhund ins Haus zu holen bzw. welche Ansprüche er an seine neuen Besitzer stellt. Der Hund wird zum Sportgerät und Freizeitpartner. Maremmanen schätzen dies nicht sonderlich. Sie sind nicht dafür gezüchtet sich beim Agility, als Rettungshund oder bei immer wiederkehrenden Übungen auf dem Hundeplatz zu beweisen. Diese Maremmano-Besitzer sind mit bestimmt ganz tolle Hundehalter, sie haben nur den falschen Hund bzw. die falsche Hunderasse gewählt.
Viele Probleme ergeben sich durch die unkontrollierte Zucht mit wesensschwachen und gesundheitlich belasteten Tieren, sowie durch die nicht reinrassigen Verpaarungen und der daraus resultierenden genetischen Mischungen.
Aber ich denke das Hauptproblem liegt in der mangelnden bis nichtvorhandenen Sozialisierung der Welpen. Dieses Defizit lässt sich auch bei noch so guter, späterer Haltung nicht mehr ausgleichen. Sicher kann man mit viel Mühe und Geduld einiges aufarbeiten. Ein durch mangelnde Sozialisierung unsicherer Hund, wird ein Leben lang unsicher reagieren. Unsicherheit gepaart mit Schutzverhalten, kann zu einer bedrohlichen Konstellation führen.

Wenn man den Hunden die Möglichkeit gibt sich selbstständig zu entwickeln, ohne ständig in ihre Entwicklung mit Gehorsamsübungen usw. einzugreifen, erhält man einen Maremmano, der ständig bemüht ist Ihnen alles recht zu machen. Die verbale Kommunikation oder auch nur kleine Gesten reichen aus, um ein gewünschtes Verhalten zu erreichen.

Innerhalb der Familie ist der Maremmano ein sehr sanfter, geduldiger, gelassener und liebenswerter Hund. Er liebt jeden in der Familie und verhält sich allen gegenüber sehr defensiv.

Der Maremmano ist kein Wohnungshund. Er braucht die Freiheit, sich auf seinem Grundstück jederzeit davon zu überzeugen, dass alles in Ordnung ist. Eine Wohnung ist für einen Maremmano zu reizarm. Er würde sich langweilen und könnte seiner Bewachungsaufgabe nicht nachkommen. Verhaltensauffälligkeiten bis hin zur Aggression wären die Folge. Trotzdem liebt der Maremmano die Nähe zu seinen Menschen.
Wenn ich z.B. im Garten arbeite liegt unser Rüde immer in Sichtweite. Sie lieben es auch stundenweise mit bei uns im Wohnzimmer zu sein, möchten dann jedoch spätestens am Abend wieder raus, um ihren Job zu machen.

Der Maremmano braucht keine stundenlange Spaziergänge, wenn er ein großes Grundstück hat auf dem er sich frei bewegen kann. Einige Maremmanobesitzer sprechen von der Bellfreudigkeit ihrer Hunde. Das kann ich nicht bestätigen. (Unsere Schäferhunde waren dagegen Kläffer.) Im Welpenalter kann man dem bereits entgegenwirken und dann wissen die Hunde, dass wir keine Bellattacken am Zaun wünschen und dulden.

Der Maremmano sind sehr gute Futterverwerter. Er benötigt im Verhältnis zu seiner Größe wenig Futter. Bei zu hochwertigem Futter kann es vor allem bei Welpen zu Wachstumsproblemen und bei erwachsenen Hunden zu Übergewicht, aber auch zur Unausgeglichenheit des Hundes kommen.